So erkennen Sie, ob ein Buch ein Erstdruck ist
So lesen Sie die Impressumsseite – Zahlenreihe, Ausgabenvermerk und Erkennungsmerkmale –, um zu beurteilen, ob ein Buch ein Erstdruck ist, mit Beispielen und den Ausnahmen einzelner Verlage, die leicht in die Irre führen.
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Erstausgabe oder Erstdruck?
Die beiden Begriffe werden oft gleichbedeutend gebraucht, meinen aber nicht genau dasselbe. Eine „Ausgabe“ (englisch „edition“) ist ein eigener Satz des Textes; ein „Druck“ (englisch „printing“ oder „impression“) ist ein einzelner Produktionslauf dieser Ausgabe. Wenn Sammler von „einer echten Ersten“ sprechen, meinen sie meist das Exemplar aus dem ersten Druck der Erstausgabe. Ein Buch kann eine Erstausgabe sein und trotzdem aus einem späteren Druck stammen – gleicher Text, noch einmal aufgelegt. Prüfen Sie deshalb nicht nur die Ausgabe, sondern auch den Druck.
Wo Sie nachsehen
Fast alles, was Sie brauchen, steht auf der Impressumsseite, der Rückseite des Titelblatts (auch Titelrückseite oder Verso genannt). Achten Sie dort auf drei Dinge: eine Zahlenreihe (die „number line“), einen Vermerk wie „First Edition“ oder „First published in 1997“ sowie Verlagsname und Jahr. Sehen Sie sich auch das Titelblatt selbst an: Steht dort ein anderer Verlag als auf der Impressumsseite, handelt es sich meist um einen Nachdruck durch ein anderes Haus.
Die Zahlenreihe
Die meisten neueren Verlage drucken auf die Impressumsseite eine Zahlenreihe (englisch „number line“). Als Faustregel gilt: Die niedrigste vorhandene Zahl nennt den Druck. Bei jedem neuen Druck nimmt die Druckerei die niedrigste Zahl von der Platte, statt die Reihe neu zu beginnen. Enthält die Reihe noch eine 1, passt das in der Regel zu einem Erstdruck; ist die niedrigste Zahl eine 2, handelt es sich meist um den zweiten Druck, und so weiter.
- „10 9 8 7 6 5 4 3 2 1“ – die 1 ist vorhanden: passt zu einem Erstdruck.
- „1 3 5 7 9 10 8 6 4 2“ – dieselbe Reihe, nur so angeordnet, dass die Zahlen von beiden Enden her wegfallen; die 1 ist vorhanden, es passt also wieder zu einem Erstdruck.
- „10 9 8 7 6 5 4 3“ – die niedrigste Zahl ist 3: ein dritter Druck.
- „24 25 26 27 28 10 9 8 7 6 5 4 3 2 1“ – manche Reihen enthalten zusätzlich zweistellige Jahreszahlen. Den Druck lesen Sie an der Gruppe der einstelligen Zahlen ab (hier ein Erstdruck), das Jahr dieses Drucks an der niedrigsten Jahreszahl (2024).
- Buchstaben statt Zahlen („A B C D E“) folgen derselben Logik: Der niedrigste vorhandene Buchstabe nennt den Druck.
Das ist eine Faustregel, keine feste Regel. Verlage haben im Lauf der Zeit unterschiedliche Konventionen verwendet, und manche setzen gar keine Zahlenreihen ein. Betrachten Sie die Zahlenreihe daher als starkes Indiz, nicht als Beweis.
Der Ausgabenvermerk
Viele Verlage drucken in der Nähe des Copyright-Vermerks auch die Worte „First Edition“, „First Printing“ oder „First published“ ab. Steht ein ausdrücklicher Vermerk „First Edition“ zusammen mit einer Zahlenreihe, deren niedrigste Zahl 1 ist, stimmen beide überein, und das Exemplar ist sehr wahrscheinlich ein Erstdruck. Widersprechen sie sich – etwa ein Vermerk „First Edition“ bei einer Zahlenreihe, die erst bei 3 beginnt, wie es häufig vorkommt, wenn ein Verlag den Vermerk über mehrere Drucke beibehält –, ist meist die Zahlenreihe der verlässlichere Hinweis.
Ausnahmen einzelner Verlage
Die bekannteste Ausnahme ist Random House. Von etwa 1970 bis 2002 begannen die Zahlenreihen dort bei 2 statt bei 1: Ein Erstdruck trägt die Worte „First Edition“ über einer Reihe, deren niedrigste Zahl 2 ist; der zweite Druck lässt den Vermerk „First Edition“ weg und behält die Reihe ab 2. Bei einem Random-House-Buch aus diesen Jahren ist eine Reihe, die bei 2 beginnt, zusammen mit „First Edition“ also der Erstdruck. Nach der allgemeinen Regel gelesen, würde man ihn fälschlich für einen zweiten halten.
Bei Büchern aus dem Print-on-Demand-Verfahren liegt der Fall umgekehrt. Steht auf der letzten Seite eines Exemplars etwa „Printed in the United States of America“, gefolgt von einem Datum und einem Code, wurde es erst auf Bestellung gedruckt. Jedes Exemplar ist dann ein eigener Druck, und die Frage nach dem Erstdruck stellt sich kaum.
Andere Verlage haben ihre eigenen Gewohnheiten: Manche setzten „First Edition“ auch in späteren Drucken ein, andere verwendeten nie einen Vermerk. Wenn es auf das Ergebnis ankommt, schlagen Sie die Konvention des betreffenden Verlags für das betreffende Jahrzehnt in einem Handbuch zur Bestimmung von Erstausgaben nach.
Erkennungsmerkmale: ein Beispiel
Ein Erkennungsmerkmal ist eine Einzelheit, die in einem Druck vorhanden ist und im nächsten korrigiert oder geändert wurde – ein Tippfehler, ein Druckfehler, eine Einbandfarbe. Solche Merkmale gelten nur für einen bestimmten Titel; sind sie bekannt, sind sie das stärkste Indiz. Der klassische Fall ist der britische Erstdruck von Harry Potter and the Philosopher’s Stone (Bloomsbury, 1997). Sammler prüfen daran drei Dinge gemeinsam:
- Eine vollständige Zahlenreihe, „10 9 8 7 6 5 4 3 2 1“, auf der Impressumsseite.
- Die Autorin ist auf der Impressumsseite als „Joanne Rowling“ genannt, nicht als „J.K. Rowling“.
- „1 wand“ steht in Harrys Liste der Schulsachen auf Seite 53 zweimal.
Jedes Merkmal für sich grenzt das Feld nur ein. Die Zahlenreihe legt den Druck fest, und die Merkmale helfen zu bestätigen, dass das Exemplar ist, was seine Impressumsseite behauptet.
Weitere kleine Hinweise
- Ein Schutzumschlag mit aufgedrucktem, nicht abgeschnittenem Preis passt zu einem frühen Ausgabestand; ein Schutzumschlag mit abgeschnittenem Preis oder aus einer Buchgemeinschaftsausgabe spricht gegen einen Erstdruck der regulären Verlagsausgabe.
- Eine kleine Blindprägung oder ein Punkt auf dem hinteren Buchdeckel oder eine Zeile „Book Club Edition“ weist auf ein Exemplar einer Buchgemeinschaft hin, nicht auf den Erstdruck der Verlagsausgabe.
- Ein Schutzumschlag lässt sich zwischen Exemplaren austauschen. Prüfen Sie deshalb den Preis auf dem Umschlag selbst und einen etwaigen Druckvermerk auf der Klappe, nicht nur die Angaben im Buch.
Weil Erkennungsmerkmale von Buch zu Buch verschieden sind, entscheidet keine einzelne Checkliste jeden Titel. Gleichen Sie das Ergebnis, wenn es darauf ankommt, mit einer Bibliografie zu diesem Autor oder Verlag ab – die Hinweise hier grenzen das Feld ein, sie liefern kein Urteil.
